«Papiertiger»: Trump droht erneut mit Nato-Austritt
Der Iran-Krieg wird zu einer Belastungsprobe für die Nato. Es stehe kaum noch zur Debatte, dass die Mitgliedschaft der USA nach dem Ende des Krieges überdacht werden müsse, sagte Trump der britischen Zeitung «The Telegraph».
Die US-Regierung kritisiert seit Wochen die aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung von Nato-Partnern insbesondere im Konflikt um die für den Welthandel wichtige, aber vom Iran blockierte Strasse von Hormus.
Die Nato sei ein «Papiertiger», sagte Trump nun. «Wir werden den Wert der Nato und dieses Bündnisses für unser Land neu prüfen müssen», sagte US-Aussenminister Marco Rubio ergänzend in einem Interview des Senders Fox News. Beide spielten damit darauf an, dass europäische Nato-Partner bislang eine aktive Unterstützung des Iran-Kriegs verweigern und diesen teilweise sogar offen als völkerrechtswidrig kritisieren.
Vermutungen hinter der Drohung
In der Nato werden die Äusserungen von Trump und Rubio zum etwaigen Austritt von vielen noch relativ gelassen gesehen. Vermutet wird, dass es der US-Regierung vor allem darum geht, eine stärkere Unterstützung des US-Vorgehens zu erzwingen.
Zudem wird darauf verwiesen, dass Trump einen Nato-Austritt wegen nationaler rechtlicher Hürden gar nicht im Alleingang beschliessen könne und auch erhebliche wirtschaftliche und militärische Nachteile drohen würden. Trump würde beispielsweise riskieren, dass sich die Europäer technologisch noch stärker emanzipieren und deutlich weniger Rüstungsgüter von US-Unternehmen kaufen. Der US-Industrie könnten so Milliardengeschäfte wegbrechen. Zudem müssten die USA möglicherweise strategisch wichtige Militärstandorte in Europa schliessen. (hkl)
